von Margie Schmidli, erschienen im 10-Jahre Jubiläumsheft des bird’s eye jazz clubs (www.birdseye.ch)
Wer das Volumen und Gewicht eines Kontrabasses um die halbe Welt von Gig zu Gig schleppt, dem muss es ernst sein damit. Für Stephan Kurmann, 1958 geboren und in Basel aufgewachsen, war dies nie eine Frage. 1971 begann er autodidaktisch Bassgitarre zu spielen, um drei Jahre später auf akustischen Kontrabass zu wechseln. 1987 schloss er die Berufsschule der Swiss Jazz School mit dem Diplom und den klassischen Unterricht am Konservatorium Basel ab und spielte danach in Combos und Big Bands in ganz Europa und mit der ansässigen professionellen Jazzszene, aber auch mit Grössen wie Chet Baker, Sal Nistico, Doug Hammond, Dado Moroni, Kirk Lightsey und vielen anderen. Schallplatten-, Radio- und Fernsehproduktionen und die Mitarbeit bei “sinfonietta basel”, “Jasata”, dem “Markus Plattner Orchestra”, “Cojazz” sowie Auftritte an vielen Festivals in Europa, USA und Australien verhalfen ihm zu grosser musikalischer Reife und Vielseitigkeit. Seine ausgeprägte Fähigkeit, sich vom virtuosen, emotional ausdrucksstarken Solisten zum zuverlässigen, anpassungsfähigen und swingenden “Time-Geber” zu wandeln, veranlasst bis heute viele bekannte Musiker, ihn für Konzerte in der Schweiz oder Tourneen als Sideman zu engagieren.
1987 gründete er als Bandleader und Composer/Arranger seine “Stephan Kurmann Strings”, heute bestehend aus fünf Jazzmusikern und einem klassischen Streichquartett. In diese anspruchsvolle Arbeit bezog er später sein während zahlreicher Aufenthalte in Kuba erworbenes, tiefes Verständnis für die afrokubanische Tradition kompositorisch mit ein, was 1999 in einer viel gerühmten gemeinsamen Tour und Produktion mit der berühmten Rumba- und Yoruba-Gruppe “Los Muñequitos de Matanzas” gipfelte. Stephan Kurmanns traumwandlerische Sicherheit im ästhetisch sicheren Umgang mit der schwierigen Materie “Cross-over” brachte ihm ausschliesslich positives Echo und Anerkennung ein. Die subtilen, starken und faszinierenden Farben und Bilder, die er aus der mutigen Kombination von Jazz, Klassik und afrokubanischer Tradition zu schaffen imstande ist, sind keine oberflächliche Synthese, sondern bilden in ihrer komplexen, vitalen und spannenden Schönheit eine wahre neue Klangwelt. Stephan Kurmann entwickelte unter dem Namen “The Kurmann Soundpost” (www.soundpost.ch) aber auch ein eigenes Tonabnehmersystem für Streichinstrumente, welches weltweit seiner natürlichen Klangwiedergabe und exzellenten Aufnahmequalitäten wegen geschätzt wird und auch von Ron Carter oder Stéphane Grappelli verwendet wird respektive wurde.